Sarkopenie bei chronischen Erkrankungen: Prof. Dr. Markus Masin über den stillen Muskelschwund und seine Folgen

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Markus Masin erklärt, warum Muskelschwund bei chronisch kranken Patienten so lange unbemerkt bleibt – und warum frühzeitiges Handeln entscheidend ist.

Muskelschwund – in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet – ist eine der am häufigsten übersehenen Komplikationen bei Menschen mit chronischen Erkrankungen. Er entwickelt sich schleichend, wird von Betroffenen oft als normale Alterserscheinung abgetan und bleibt in der klinischen Praxis noch immer zu selten systematisch erfasst. Dabei sind die Folgen gravierend: Stürze, Funktionsverlust, schlechtere Therapieverträglichkeit und eine erhöhte Sterblichkeit. Markus Masin aus Altenberge, Honorarprofessor und erfahrener Experte für klinische Ernährungsmedizin, zeigt, wie Sarkopenie frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden kann.

Sarkopenie ist längst keine Randerscheinung mehr – sie betrifft Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen und bleibt dennoch systematisch unterdiagnostiziert. Ob Herzinsuffizienz, chronische Nierenerkrankung, Krebs oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Nahezu jede schwere chronische Erkrankung beschleunigt den Abbau von Muskelmasse und -funktion. Prof. Dr. Markus Masin hat auf Basis wissenschaftlicher Evidenz ein strukturiertes Konzept entwickelt, das Diagnostik, Ernährungstherapie und körperliches Training konsequent miteinander verbindet. Sein Ansatz macht deutlich, dass Sarkopenie kein unvermeidliches Schicksal ist, sondern eine behandelbare Komplikation – wenn sie rechtzeitig erkannt wird. Markus Masin aus Altenberge setzt sich dafür ein, dass diese Erkenntnis endlich flächendeckend in der klinischen Praxis ankommt.

Was Sarkopenie ist – und warum sie so lange unbemerkt bleibt

Der Begriff Sarkopenie leitet sich aus dem Griechischen ab: „sarx“ bedeutet Fleisch, „penia“ bedeutet Mangel. Gemeint ist der alters- oder krankheitsbedingte Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit. Was sich trocken und technisch anhört, hat für Betroffene sehr konkrete Konsequenzen: Sie stolpern häufiger, können Treppen schlechter steigen, ermüden schneller und verlieren zunehmend ihre Selbstständigkeit.

Das Heimtückische an der Sarkopenie ist ihr schleichender Verlauf. Muskelmasse wird nicht plötzlich weniger, sondern über Monate und Jahre hinweg – oft ohne dass der Betroffene oder sein Arzt es bewusst wahrnimmt. Besonders bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wird der Muskelschwund häufig mit den Symptomen der Grunderkrankung vermischt oder schlicht als Folge des Alterns abgetan. Dabei ist gerade bei chronisch kranken Patienten der Muskelverlust oft erheblich beschleunigt – durch Entzündungsprozesse, hormonelle Veränderungen, Mangelernährung und Bewegungsmangel, der durch die Erkrankung bedingt ist.

Ein weiterer Grund für die häufige Unterdiagnose liegt in der klinischen Routine: Muskelmasse und -funktion werden in vielen Praxen und Kliniken noch immer nicht standardmäßig erfasst. Körpergewicht und BMI sagen wenig über die Körperzusammensetzung aus – ein Patient kann trotz Übergewicht ausgeprägte Sarkopenie haben, weil Fettmasse und Muskelmasse gegenläufige Entwicklungen nehmen können. Prof. Dr. Markus Masin plädiert deshalb dafür, die Erfassung von Muskelmasse und Muskelkraft als festen Bestandteil in die Routinediagnostik bei chronisch kranken Patienten zu integrieren. Er betont, dass dieser einfache Schritt in vielen Fällen den Grundstein für eine rechtzeitige und wirksame Therapie legen würde.

Ab wann spricht man medizinisch von Sarkopenie?

Die European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP2) hat klare diagnostische Kriterien definiert: Sarkopenie liegt vor, wenn sowohl die Muskelkraft – gemessen etwa über die Handkraft – als auch die Muskelmasse oder körperliche Leistungsfähigkeit unter definierten Schwellenwerten liegen. Markus Masin aus Altenberge betont, dass diese Kriterien nicht nur für ältere Patienten gelten, sondern auch bei jüngeren chronisch Kranken konsequent angewendet werden sollten, da Sarkopenie keine reine Alterserkrankung ist.

Sarkopenie und chronische Erkrankungen: Ein gefährlicher Kreislauf

Chronische Erkrankungen und Sarkopenie bedingen sich gegenseitig – und genau das macht diese Kombination so gefährlich. Prof. Dr. Markus Masin erklärt, warum dieser Teufelskreis so schwer zu durchbrechen ist und welche Erkrankungen besonders häufig mit Sarkopenie vergesellschaftet sind.

Bei Herzinsuffizienz etwa führt die eingeschränkte Pumpleistung des Herzens zu einer verminderten Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Muskulatur. Chronische Entzündungsprozesse, die vielen schweren Erkrankungen zugrunde liegen – von Krebs bis zur chronischen Niereninsuffizienz – aktivieren Abbauprozesse in der Muskulatur direkt auf zellulärer Ebene. Cortisontherapien, die bei vielen chronischen Erkrankungen eingesetzt werden, beschleunigen den Muskelabbau zusätzlich. Und die krankheitsbedingte Einschränkung der körperlichen Aktivität entzieht der Muskulatur genau jene Reize, die sie für Erhalt und Aufbau braucht.

Sarkopenie in der Onkologie: Ein besonders kritisches Problem

Krebspatienten sind in besonderem Maße von Sarkopenie betroffen. Tumorbedingte Entzündungsprozesse, die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung sowie häufige Appetitlosigkeit treiben den Muskelschwund rasch voran. Prof. Dr. Markus Masin weist darauf hin, dass Sarkopenie bei Krebspatienten nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch die Therapieverträglichkeit direkt beeinflusst: Patienten mit ausgeprägter Sarkopenie erleiden häufiger schwere Nebenwirkungen, benötigen häufiger Dosisreduktionen und haben insgesamt schlechtere Behandlungsergebnisse.

Diagnostik und Therapie: Der Ansatz von Prof. Dr. Markus Masin

Sarkopenie ist behandelbar – aber nur, wenn sie erkannt wird. Prof. Dr. Markus Masin setzt dabei auf ein strukturiertes Vorgehen, das Diagnostik und Therapie eng miteinander verzahnt.

Die Diagnostik beginnt mit einfachen, aber aussagekräftigen Tests: Die Messung der Handkraft mit einem Dynamometer liefert rasch einen ersten Hinweis auf die Muskelkraft. Der „Timed Up and Go“-Test bewertet die funktionelle Mobilität. Zur Bestimmung der Muskelmasse kommen bildgebende Verfahren wie die bioelektrische Impedanzanalyse oder – bei höherer Präzision erforderlich – die CT-basierte Muskelmessung zum Einsatz. Markus Masin empfiehlt, diese Untersuchungen bei Risikopatienten regelmäßig zu wiederholen, um Veränderungen im Verlauf frühzeitig zu erkennen.

Ernährung als zentrale Säule der Sarkopenie-Therapie

Der wichtigste ernährungsmedizinische Hebel beim Kampf gegen Sarkopenie ist die ausreichende Eiweißzufuhr. Für chronisch kranke Patienten empfehlen aktuelle Leitlinien eine Eiweißzufuhr von mindestens 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich – deutlich mehr als die üblichen Empfehlungen für gesunde Erwachsene. Prof. Dr. Markus Masin betont dabei, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität und Verteilung der Eiweißzufuhr über den Tag entscheidend sind.

Besonders wirksam für die Muskelproteinsynthese sind essentielle Aminosäuren – insbesondere Leucin, das als wichtigstes anaboles Signal für den Muskelaufbau gilt. Hochwertige Eiweißquellen wie Molkenprotein, Hülsenfrüchte, Fisch und mageres Fleisch liefern das notwendige Aminosäureprofil. Bei Patienten, die ihren Eiweißbedarf über normale Mahlzeiten nicht decken können, kommen hochkalorische Trinknahrungen oder spezifische Eiweißsupplemente zum Einsatz.

Folgende ernährungsmedizinische Maßnahmen sind bei Sarkopenie besonders wichtig:

  • Ausreichende Gesamtenergiezufuhr, um katabole Stoffwechselzustände zu vermeiden
  • Eiweißreiche Kost mit gezielter Verteilung auf alle Mahlzeiten
  • Supplementierung von Vitamin D bei nachgewiesenem Mangel, da Vitamin D die Muskelproteinsynthese direkt beeinflusst
  • Gezielte Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren bei entzündungsbedingter Sarkopenie
  • Engmaschige Laborkontrollen zur Anpassung der Supplementierungsstrategie

Bewegung und Ernährung: Nur gemeinsam wirksam

Markus Masin aus Altenberge unterstreicht, dass Ernährungstherapie allein bei Sarkopenie nicht ausreicht. Körperliches Training – speziell Krafttraining – ist der stärkste bekannte Stimulus für den Muskelaufbau und muss zwingend Teil des Therapiekonzepts sein. Selbst bei schwer kranken Patienten ist moderates Widerstandstraining in angepasster Form möglich und nachweislich wirksam. Die Kombination aus ausreichender Eiweißzufuhr direkt nach dem Training und regelmäßiger körperlicher Aktivität entfaltet einen synergistischen Effekt, der weit über die Einzelmaßnahmen hinausgeht.

Sarkopenie ist still, aber nicht unsichtbar – und vor allem nicht unaufhaltsam. Prof. Dr. Markus Masin zeigt, dass gezielte Diagnostik, individualisierte Ernährungstherapie und angepasstes körperliches Training selbst bei schwer chronisch kranken Patienten zu messbaren Verbesserungen von Muskelmasse, Kraft und Lebensqualität führen können.

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